Interview mit Jana Schönfelder

Foto: Jana Schönfelder
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Jana Schönfelder, ihr Motto: „Leben den Moment.“

fotoforum: Hallo Jana, schön, dass wir uns hier im Annaberger Café auf eine heiße Schokolade treffen können, um ein wenig über die Fotografie zu plaudern. Dein Alter wollen wir noch verraten, du bist 48 Jahre alt. Wie lange fotografierst Du schon?

Jana Schönfelder: Seit den eigenen Kindern. Die Tochter ist ein Nachwendekind, da kam die erste Digitalkamera dazu und da ging schon ein bisschen mehr. Das war eine Panasonic, an die ich mich erinnere, da war ich schon begeistert, von den Fotos, die möglich waren. 2009 habe ich mir ein Andenken an meinen Vati geleistet, das war die erste Canon und damit ging es so richtig los. Also so seit etwa 15 Jahren.

Du bist also durch Deine Kinder zum Fotografieren gekommen?

Ja, das war durch meine Kinder, aber auch durch meinen Vati, der schon zu frühen DDR-Zeiten eine Kamera hatte. Ich bekomme jetzt manchmal noch Feedbacks von älteren Leuten: „Mensch wenn ich die Vati-Fotos sehe, wenn wir früher weggegangen waren, oder von Hochzeiten, …“ Das war ja etwas Besonderes. Die kleinen Schwarzweißfotos, er hat darauf verschiedene Gruppen festgehalten, die habe ich in alten Kartons zu Hause. Das sind kleine Schätze, die ich hüte.
Wahrscheinlich ist es also „genetisch“ bedingt. Der Vati ist schuld, seine Fotobegeisterung schlägt bei mir durch.

Und haben Deine Kinder schon Ambitionen?

Mein Großer ist 30 und hat schon gewisse Ambitionen, aber eine starke Konkurrenz habe ich in meiner Tochter gefunden. Sie hat mich auf Platz zwei oder drei in der Familie katapultiert. Sie bringt das viel frischer, viel moderner. Sie hat einen super Blick für Details. Sie zieht zum Beispiel los und fotografiert verblühte Blüten, setzt sie in ein gutes Licht und gibt den Bildern am Ende noch tolle, passende Titel. Sie ist eine Mega- Konkurrenz – nicht nur für mich.

Hast du einen Lieblings-Foto-Platz, eine bestimmte Gegend oder gar ein Land, von dem Du sagst, da kann ich die besten Fotos machen?

Nein. Die besten, die schönsten Fotos gelingen mir, wenn ich Ruhe habe. Also nicht so vom Fahrrad aus: „Hier sieht es ja ganz schön aus, mach doch mal ein Foto …“ Wenn ich Ruhe und Muse habe, ist es gleich, wo ich bin.

Welche Art, welche Motive magst du am liebsten? Vielleicht die Makro-Fotografie?

Damit habe ich mich überhaupt noch nicht befasst. Ich fotografiere gern Landschaften, aber auch Porträts. Manchmal werde ich angefragt, ob ich Gesellschaften fotografiere. Das Schönste war die Hochzeit vom großen Sohn, bei welcher ich fotografiert habe. Das war richtig gut.

Ist man als Mutter da nicht mit anderen Dingen beschäftigt …?

Ja, das Standesamt habe ich bewusst ausgespart. Aber es war schon ein kleines Manko, dass ich da unter Anspannung stand und die Erwartungen hoch waren. Doch das Brautpaar war gnädig und hat nachmittags dann gesagt: „Mutti, jetzt ist Schluss. Was wir haben, haben wir und was nicht, das eben nicht.“

Welche Schwierigkeiten tun sich für Dich auf, wenn Du Landschaften fotografierst, Porträts oder Gesellschaften? Geht Dir dabei alles locker von der Hand?

Beim Fotografieren selbst komme ich gut zurecht – außer es gibt Pannen bei Gruppen oder Menschen. Dabei gibt es Erlebnisse … da habe ich schon mein Lehrgeld gezahlt. Das war nicht so toll. Ich fotografiere viel mit „M“ und habe jahrelang bei uns in der Kirche die Jubelkonfirmation fotografiert. Ich bin vorher in die Kirche, machte ein paar Probeaufnahmen, notierte mir die Einstellungen. Nachdem ich aber die erste Gruppe fotografiert hatte, hatte ich ein völlig überbelichtetes Bild. Und ich kann bis heute nicht sagen, warum. Eine Meinung dazu ist, dass die Kamera den Blitz nicht erkannt hat, lange belichtete und der Blitz trotzdem ausgelöst wurde. Da steht man ganz schön betreten da, wenn mich etwa 20 Augen oder mehr erwartungsvoll angucken und ich schnell die richtigen Einstellungen finden muss. Da komme ich schon ins Schwitzen. Vor allem bei größeren Gruppen denken die einzelnen Leute ja immer, es geht wie im Vorbeigehen. Alle wollen, dass es schnell geht, aber jeder will danach das perfekte Bild. Und dann hört man: „Ah, ich bin doch gar nicht zu sehen …“ Oder „Wie ich aussehe …“.
Aber ein Foto ist nicht mehr als ein Spiegel.

Was fällt Dir generell leicht und / oder schwer beim Fotografieren?

Ich denke, dass ich einen guten Blick und ein gutes Gespür mit Menschen habe. Ich kann sie gut motivieren und ihnen etwas entlocken.
Schwer fällt mir, wenn ich einmal frei habe und nicht auf Arbeit muss, dennoch früh zeitig aufzustehen, um zum Beispiel geniales Wetter oder einen Sonnenaufgang zu erwischen. Schwer fällt mir die Überwindung, einfach einmal loszuziehen. Wenn ich allerdings ein Ziel habe, ein Fotobuch oder so, fällt es mir wesentlich leichter.

Eine letzte Frage: Wie sicherst Du Deine Daten?

Ich habe zwei externe Festplatten, mehr nicht. Auf beiden ist das Gleiche. Da ich vermehrt mit RAW fotografiere, reicht auch die Computerfestplatte einfach nicht mehr aus.

Vielen Dank für das angenehme Gespräch.
Nun habe ich nur noch eine Bitte: Ich habe hier einen alten Räuchermann von mir mitgebracht, und ich bitte Dich, ein Foto davon zu machen. Wie Du ihn stellst oder welche Einstellung Du an der Kleinbildkamera nutzt, ist Dir überlassen.

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