Interview mit Thomas Glöckner

Foto: Thomas Glöckner
Thomas Glöckner

fotoforum: Thomas! Ich freue mich, dass auch wir uns hier im Annaberger Café auf ein kleines Käffchen treffen können, um ein wenig über die Fotografie zu plaudern. Dein Alter wollen wir noch verraten, du bist 41 Jahre alt. Wie lange fotografierst Du schon?

Ich habe damit angefangen, als ich meine Frau kennengelernt habe. Wir waren häufig unterwegs und der Fotoapparat war oft dabei, was damals aber noch ein ganz Einfacher war. Als wir dann einmal auf dem Schwartenberg waren und ich meine Aufnahmen gemacht hatte, da merkte ich, dass es eine gab, die mir recht gut gelungen war. Und ich dachte mir: Da geht noch mehr. Daraufhin kaufte ich mir meine erste Spiegelreflexkamera. So hat das angefangen. Das war 1995.

Hängt das Bild noch irgendwo, schön gerahmt?

Gerahmt ist es noch. Da ist ein Sonnenuntergang drauf. Aber es liegt in einer Kiste …

Ist das Fotografieren bei Dir mit der Spiegelreflex dann sprunghaft angestiegen?

Ich habe dann angefangen, verschiedene Sachen auszuprobieren, Makrofotografie zum Beispiel. Ich bin jedoch bei der Landschaftsfotografie hängengeblieben. Nach und nach kaufte ich mir verschiedene Objektive. Mit dem Teleobjektiv habe ich dann angefangen, Sterne zu fotografieren …

… das machst Du ja aber inzwischen ziemlich professionell …

… mittlerweile ist das so etwas wie das zweite Standbein neben der normalen Fotografie (lacht). Man braucht da ja schon ein paar andere Sachen dazu. Ich bzw. wir (Astrofotografie betreibe ich nicht allein) haben uns dafür ein Fernrohr mit Nachführmotor und eine spezielle Kamera für die Astrofotografie zugelegt. Eine CCD Kamera, mit der man nur Astrofotografie machen kann. Für den normalen Gebrauch ist sie nicht geeignet.

M42 im Orion, Foto: Thomas Glöckner

Was ist an dem Astrofotoapparat anders als an einer normalen Kamera?

Es ist eine Schwarz-Weiß-Kamera, man muss also für jeden Farbkanal – rot, blau, grün – extra belichten, wenn man ein Farbbild haben möchte. Die Kamera ist empfindlicher im normalen Licht und Ha-Licht. Der Chip wird extra gekühlt, da sich durch die lange Belichtung der Chip erwärmt und dadurch ein größeres Rauschen verursacht. Um das Rauschen so gering wie möglich zu halten, wird der Chip eben gekühlt.

Welche Firma (Canon, Nikon, …) bevorzugst Du im Allgemeinen, neben Astro?

Ich war zuerst bei Minolta. Damit hatte ich angefangen und mir diverses Zubehör gekauft. Dadurch bin ich dort hängen geblieben, da ich doch schon einiges hatte. Als Minolta dann von Sony übernommen wurde, bin ich bei Sony gelandet. Da Sony das Bajonettsystem von Minolta übernommen hat, konnte ich meine Objektive weiter nutzen. Es gibt allerdings inzwischen zwei verschiedene Bajonettsysteme, einmal das Alpha-System und dann gibt es noch das E-Mount-System zum Beispiel für die 7R.

Wie sieht es bei Dir mit dem Equipment überhaupt aus, was hast Du alles?

Ich habe meine Sony A77– mit halbtransparentem Spiegelsystem, bei dem der Spiegel nicht hochklappt – ein Weitwinkelobjektiv, ein Standard- und ein Teleobjektiv.
Dann noch Zubehör – Blitz, Kabelauslöser, Filter … Für eventuelle Makroaufnahmen nutze ich zur Zeit eine kleine Panasonic, was meinen Bedarf in diese Richtung im Moment ausreichend abdeckt. Die Sachen für die Astrofotografie habe ich mir mit einem Freund zusammen gekauft, da sie sehr kostenintensiv sind. So kann man sich eben reinteilen.

Was sagt Deine Frau zu deinem Hobby? Sieht sie das locker oder ist sie eher genervt?

Sowohl als auch. Sie findet es schön, aber im Urlaub ist sie manchmal genervt (lacht) … Ich bleibe halt oft stehen und mache hier ein Foto und dort noch eins … Manchmal, wenn es nicht zu weit von der Unterkunft weg ist, fahre ich abends oder zu einem anderen günstigen Zeitpunkt allein los, um in Ruhe ein paar Fotos zu machen.

Wie kümmerst du dich um Deine Ausrüstung? Hast Du einen jährlichen Termin, zu dem Du Deine Sachen einschickst?

Nein. Ich habe das selbst in die Hand genommen, mir ein Set zum Reinigen gekauft und habe den Sensor gereinigt.

Bist du mit dem Set und dem Ergebnis zufrieden?

Es funktioniert zwar, aber professionelle Reinigung ist angebrachter. Obwohl ich es noch nicht habe machen lassen. Ich habe ja nur die eine Kamera und überlege immer, wann schicke ich sie fort, wann brauche ich sie nicht. Dadurch ist es noch nicht dazu gekommen.

Hast Du so etwas wie einen Lieblingsfotoplatz?

Ja, das Schwarzwassertal, dort bin ich sehr gerne und in letzter Zeit auch sehr häufig.

Im Schwarzwassertal, Foto: Thomas Glöckner

Nimmst Du Dir dabei viel Zeit? Im Urlaub ist ja das eine. Aber vor oder nach der Arbeit, das muss man sich ja gezielt vornehmen. Machst Du das oft?

Nicht so oft, dazu fehlt leider die Zeit. Manchmal fahre ich abends mit dem Fahrrad noch eine Runde und nehme meinen Fotoapparat mit.

Ziehst Du auch los, um ganz spezielle Fotos aufzunehmen? Dieses Tier oder jenes Motiv?

Eigentlich nicht, weil das meistens nicht gelingt. Ich fotografiere ja hauptsächlich Landschaften und dann je nachdem, was die Situation hergibt; da entdeckt man immer was: einen eingeschneiten Baum, der günstig im Licht steht, …

Und wie sieht es mit Menschen aus, Porträtfotografie?

Nur die Familie. Ich bin nicht der Typ, der Menschen dirigiert, damit meine ich zum Posing anleiten. Und wenn ich unsere Kinder fotografiere, dann meist aus dem Stillen heraus, unbemerkt.

Welche Schwierigkeiten siehst Du beim Fotografieren?

Wenn ich unterwegs bin, denke ich oft, dies lohnt sich zu fotografieren, das ist ein schönes Motiv, und dann sitze ich zu Hause am Rechner und sehe mir das Bild an … und hm …, dann ist es die Herausforderung, aus dem Bild wieder das herauszuholen, wie der visuelle Eindruck vor Ort war.
Und es passiert mir relativ oft, dass der Fokuspunkt nicht perfekt sitzt, gerade, wenn es schnell gehen muss. Deshalb fokussiere ich, wenn ich die Zeit habe und das Motiv nicht ausreißt, auch gern manuell. Mit Autofokus geht es tatsächlich oft daneben. Es ist nicht alles für die Tonne, aber der Schärfepunkt ist dann zu weit hinten oder zu weit vorn. Und auch, wenn das minimal ist, ist es eben nicht … perfekt.

Burg Scharfenstein, Foto: Thomas Glöckner

Bearbeitest Du sehr viel im Nachhinein?

Wenn ich die Bilder jemanden gebe oder sie ausbelichten lasse, dann grundsätzlich, ja. Einfach JPEG und los, das mache ich nicht. Ich fotografiere hauptsächlich in RAW, weil ich da die besten Möglichkeiten habe, Belichtung und Co. zu korrigieren.

Welches Programm benutzt Du?

Ich habe Photoshop cs5 und seit neuestem Lightroom. Mit Lightroom mache ich belichtungstechnisch (und so) das meiste.

Ok. Du hast ja auch schon bei Ausstellungen und Wettbewerben mitgemacht. Erzähl doch mal.

Ziemlich zum Anfang meiner „Fotokarriere“ habe ich 1997 beim deutschen Jugendfotowettbewerb mitgemacht und habe da mit zwei Bildern einen Preis gewonnen. Das war bis jetzt mein Highlight. Ansonsten habe ich bei der Freien Presse schon bei verschiedenen Wettbewerben mitgemacht. Im letzten Jahr war der Wettbewerb über die Jahreszeiten – und das geht in diesem Jahr weiter. Dort gewann ich in der Wintersaison einen Platz unter den fünf Besten und habe für den Abdruck in der Freien Presse 20,- Euro bekommen. Und ich habe durch meine Astrofotografie einen guten Draht zu einem Redakteur der Freien Presse, durch den ich einige meiner Fotos unterbringen konnte. Wenn ich ein astronomisches Ereignis (Konstellationen, Kometen, …) fotografiere, habe ich sie angeboten und er hat ein paar Zeilen dazu geschrieben. Ich habe auch schon versucht, mit Stockfotografie Bilder zu verkaufen, aber erfolglos. Man muss dort ziemlich dranbleiben und gerade mit Landschaftsfotografie hat man die wenigsten Chancen, Bilder zu verkaufen.
Was Ausstellungen betrifft, habe ich unsere, die des Fotostammtischs, und eine in der Baldauf Villa 2007 mitgemacht.
Mit unseren Astrofotos würden wir, mein Freund und ich, gern in Drebach in der Sternwarte eine Ausstellung machen. Aber das ist zur Zeit noch „Spinnerei“; ist halt mit viel Arbeit verbunden.

Was fällt Dir generell leicht oder schwer bei der Fotografie? Betrachte den ganzen Prozess …

Das Fotografieren ist für mich einfacher als das Bearbeiten. Der innere „Schweinehund“ um loszuziehen ist für mich leichter überwindbar als der des Verschlagwortens, Sortierens, Löschens, …

Welches System nutzt Du beim Verschlagworten und Sortieren?

Zuerst habe ich das mit Photoshop Bridge gemacht, aber inzwischen mache ich das mit Lightroom, das ist komfortabler. Man gibt die Wörter ein und wenn eines schon vergeben ist, wird es gleich angezeigt, usw.

Weißt Du, wie viele Bilder Du hast?

An die 60.000 – ca. 56.000 digitale Bilder und reichlich 2.000 Dias (digitalisiert und im Schrank).

Wie sicherst Du die vielen Daten?

Sternspuren am Hirtstein, Foto: Thomas Glöckner

Ich sichere in regelmäßigen Abständen auf eine externe Festplatte, habe sie also doppelt gespeichert – Rechner und Festplatte.

Vielen Dank für Deine ausführlichen Antworten.
Nun habe ich nur noch eine Bitte: Ich habe hier einen alten Räuchermann von mir mitgebracht, und ich bitte Dich, ein Foto davon zu machen. Wie Du ihn stellst oder welche Einstellung Du an der Kleinbildkamera nutzt, ist Dir überlassen.

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